Stadler, Christian; Kern, Sabine
Psychodrama
Eine Einführung
1. Auflage. Wiesbaden 2010. VS Verlag
Dieses Lehrbuch bietet eine interessante Lektüre und führt durch sämtliche Bereiche, die Psychodrama betreffen. Der Aufbau des Buches gestaltet sich als Reise und beginnt mit einer Definition, führt über die historischen Wurzeln zu den Instrumenten des Psychodramas und erklärt genau und anschaulich oft als Schlagworte verwendeten Begriffe, wie Bühne, ProtagonistIn, Hilfs-Iche und die Qualitäten der Gruppe und der Psychodrama-LeiterIn.
Diese Begriffe werden oft verwendet und erklären sich vermeintlich von selbst oder durch das Erleben – umso wichtiger ist es, meine ich, sich mit der Bedeutung, der Aufgaben und Funktionen dieser Begriffein sprachlicher Form auseinanderzusetzen.
Die Reise geht weiter durch den Kontinent der psychodramatischen Arrangements, Beschreibungen schildern Rollenspiel, Gruppenspiel und besondere Arbeitsmöglichkeiten wie Clap-Theater, Playback-Theater.
Das Überkapitel, das sich mit den Psychodrama-Techniken beschäftigt, zeichnet Szenenaufbau, Doppeln, Rollenwechsel, Spiegeln und andere grundlegende Methoden auf. Besonders interessant nach dem Kapitel der Soziometrie erweisen sich die Anwendungsfelder und die Zusammenschau von Psychodrama und anderen psychotherapeutischen Verfahren.
Zu guter Letzt beschreiben die beiden AutorInnen das Ausbildungsfeld und den Weg zur PsychodramatikerIn.
Erfrischend an diesem Lehrbuch ist, dass es die seltene Eigenschaft der Leichtigkeit beim Lesen aufweist. Es liest sich schnell und zügig und ist doch nachhaltig eindrücklich und anschaulich. Verbildlichungen durch Grafiken, Tabellen, Vergleiche stellen eine Abwechslung zum Text dar und veranschaulichen markante Inhalte. Meiner Vorstellung auf den Sprung geholfen, haben bunte Schilderungen und klar umrissene Beispiele, welche den beschriebenen Sachverhalten Leben einhauchen und vor dem geistigen Auge als praktisches Beispiel auftauchen kann.
Textbeispiel:
“Stegreif- oder Gruppenspiel als Arrangement der Erwärmung (auf Gruppe/bezogen/offen/ Emotionen ansprechend):
(…) Hierfür gibt die Leitung nur ein Motto vor, das den Rahmen des nachfolgenden Spiels bietet, wie z.B. „Einen Nacht in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett, in der die Figuren zum Leben erweckt werden“, oder „Ein Marktplatz im Mittelalter“ oder „ Gestrandet auf einer einsamen Insel“. Die GruppenteilnehmerInnen können eine wie immer geartete Rolle wählen, die sie in diesem Spiel verkörpern wollen. Die einzige Voraussetzung ist, dass mit der gewählten Rolle ein Bezug zum Thema hergestellt werden kann, zum Beispiel die Königin Victoria im Wachsfigurenkabinett oder der Henker in der mittelalterlichen Szene oder der Indigene auf der einsamen Insel. Die Handlung ist meist nicht vorgegeben, sondern entwickelt sich aus der Fantasie der MitspielerInnen oder entsteht aus der Interaktion mit den anderen Beteiligten. Die Dauer des Gruppenspiels hängt davon ab, ob neue Impulse hinzukommen oder ob sich Handlungsabläufe wiederholen. Das Ende eines Gruppenspiels wird von der Gruppenleitung vorgegeben, wobei die SpielerInnen im Vorfeld auf das baldige Ende aufmerksam gemacht werden sollten. „Die ersten Lichtstrahlen dringen durch die Gardinen des Wachsfigurenkabinetts. Langsam müssen die einzelnen Figuren wieder ihre ursprüngliche Position einnehmen und erstarren“ oder „Ein Schiff nähert sich der einsamen Insel. Die Rettung der gestrandeten ist nahe.“
Aus diagnostischer Sicht kann ein Gruppenspiel Auskunft über die Persönlichkeitsstruktur einzelner TeilnehmerInnen sowie über die Stellung der Mitglieder im Gruppengeflecht geben. Lenkt die Person, die das Kommando auf der einsamen Insel innehat, auch die Gruppendynamik im realen Gruppenkontext? Steht der Mitspieler, der sich zum Suchen von Feuerholz zurückzieht, auch sonst etwas außerhalb des Gruppengeschehens?” (S. 63)
Ein Buch, welches es schafft den Bogen zu spannen und interessant zu sein für LeserInnen mit unterschiedlichem Berufskontext: für Menschen, die mehr über Psychodrama wissen möchten, für erfahrene TherapeutInnen, für AusbildungskandidatInnen oder auch für Ideensuchende.